Wir


September 1999

 


Urlaub Italien; 11.06.2001

 


Hallo Freunde (oder Fremde, oder wer auch immer)

Hier wollen wir mal unser doch schon reichlich bewegtes Leben vorstellen, um vielleicht dem einen oder anderen etwas Mut zu geben und zu ermutigen nie aufzugeben.

Unsere Geschichte fängt 1989 an. Da haben wir uns beim Volleyballspielen kennengelernt. Damals war ich Übungsleiter einer Mädchenmannschaft und auch sonst sportlich sehr aktiv, Fußball, Squash, Badminton, später dann auch noch Inline-skaten und Fahrrad fahren.

Außerdem sind wir noch bei jeder Gelegenheit, wenn unser regenreiches Siegerland mal ausnahmsweise trocken war, mit unseren Motorrädern durch die Gegend gedüst.
Natürlich auch wenigstens einmal im Jahr auf zwei Rädern in Urlaub, nicht nur um die Ecke, sondern da kamen schon mal locker über 8000 km pro Urlaubstour zusammen.
(Portugal, Griechenland...)

So waren wir mit unserem Leben sehr zufrieden und hatten eine Menge Spaß miteinander und auch mit unseren Freunden.

Dann waren wir im September 1997 mit einem befreundeten Pärchen auf zwei Motorrädern und mit Zelten in Südfrankreich unterwegs.
Auf einmal fühlte ich drei Knoten am Hals, die während des Urlaubs pflaumengroß wurden.

Nach der Rückkehr ergaben Untersuchungen die Diagnose:
Morbus Hodgkin - Lymphdrüsenkrebs.

Erst einmal Schock und dann die Frage
‘wie geht es weiter, was für eine Prognose habe ich?’

Ab Anfang November ‘97 bis Anfang Februar ‘98 wurde eine Chemotherapie gemacht, wobei ich über 15 kg abnahm.
(guter Tip für Diät-Fetischisten)

Von Ende Februar ‘98 bis Mitte April ‘98 war die erste Strahlentherapie, bei der ich ca. 25 kg Gewicht verlor, weil Speiseröhre und Magen im Strahlenfeld lagen.
(noch besserer Tip für Diät-Fetischisten)

Mitte Juni kam eine Splenektomie,
auf Deutsch, sie haben mir die Milz ausgebaut.

So erleichtert lief Anfang Juli bis Mitte August die zweite Strahlentherapie, die nicht mehr ganz so nebenwirkungsreich war.

Nachdem so die Krebsbehandlung erst mal abgeschlossen war und es wieder aufwärts ging, sind wir zum Entsetzen unseres Bekanntenkreises zwei Wochen später mit unseren Motorrädern und Zelt nach Griechenland gefahren.
Ich wollte nach 11 Monaten endlich noch mal was anderes sehen als immer nur Krankenhäuser.

Es wurde eine traumhafte Tour.

Als wir Ende September zurückkamen, normalisierte sich unser Leben wieder zum Alltag.

Dann kam der
18. November 1998
nach drei Tagen mit hohem Fieber fiel ich ins Koma.

Diagnose:
Pneumokokken-Sepsis
(Blutvergiftung durch aggressive Bakterien, eben diese blöden Pneumokokken)
und OPSI-Syndrom
(Multi-Organ-Versagen)

Mit anderen Worten: es funktionierte gar nichts mehr!!!
Ich hing nur noch an Maschinen.

Die Ärzte konnten Babsy auch keinen Mut mehr machen, gingen nach 2 Tagen sogar soweit zu sagen, sie wüssten nicht, ob ich die nächste Nacht noch überlebe!
Scheiß Gefühl für Babsy.
Nach ein paar weiteren Tagen und unzähliger Antibiotika-Cocktails konnte wenigstens der Verlauf gestoppt werden.

Der nächste Schock für Babsy war dann die Frage der Ärzte, ob sie mir den linken Unterarm und beide Unterschenkel amputieren dürften.
Sie brauchten dazu ihre Zustimmung.
Auf die Frage von Babsy, was passiere, wenn sie die verweigere, antworteten die Ärzte, damit würde sie die Amputationen nur hinauszögern und verschlimmern, denn wenn es wieder akut lebensbedrohlich würde, könnten sie auch ohne Zustimmung amputieren. Also stimmte sie zu.

Am
18. Dezember 1998
wurden mir dann beide Unterschenkel
und der linke Unterarm
abgeschraubt.

Am
04. Januar 1999
erlangte ich nach 7 Wochen Koma
wieder das Bewußtsein.

Ich mußte dann noch etwas über 4 Wochen auf der Intensivstation verbringen, bevor ich am 04. Februar in eine Reha-Klinik gebracht wurde.

In der Reha-Klinik lag ich dann auch erst mal noch 3 Wochen auf der Intensivstation an verschiedenen Überwachungsmonitoren, deren Gepiepe einen schon wahnsinnig machen konnten.
Aber ich wurde wenigstens nicht mehr über eine Magensonde künstlich ernährt, sondern wurde gefüttert.
Denn ich war noch nicht einmal in der Lage selbstständig zu essen, weil mir einfach die Muskelkraft fehlte mit meiner verbliebenen Hand irgendetwas zum Mund zu führen.
Durch das mittlerweile über 3 monatige Liegen, war ich bis auf 54 kg abgemagert, so daß ich noch nicht einmal die Kraft hatte, überhaupt alleine im Bett sitzen zu können.

In der vierten Reha-Woche wurde ich dann endlich in das langersehnte Einzelzimmer verlegt, in dem es dann endlich ruhiger war.

Jetzt gingen auch die eigentlichen Reha-Maßnahmen los:

täglich:
3x Krankengymnastik
Ergotherapie
Sprachtherapie

mehrmals wöchentlich:
Massage
Psychologische Betreuung
Ultraschall

1x wöchentlich:
Sozialberatung (bei Bedarf)
Visite

Die meiste Arbeit (aber auch den meisten Spaß) hatten die Krankengymnasten mit mir, die mich mit unendlicher Geduld und sanftem Druck (denn ich war stinkfaul, weil es anstrengend war und ganz schön weh tat) wieder auf die Beine (Prothesen) stellten und dann auch noch versuchten mir das Laufen beizubringen.

Am
21. Mai 1999
ging es dann nach Hause, zwar noch im Rollstuhl, aber endlich zu Hause, nach über einem halben Jahr wieder die eigenen vier Wände, das eigene Bett.
Babsy hatte auch schon mit meinen Eltern und Freunden unsere Wohnung halbwegs behinderten- bzw. rollstuhlgerecht eingerichtet, soweit man das mit einer Wohnung im 3. Stock ohne Aufzug überhaupt machen kann.

Am Anfang haben mich ein paar kräftige Freunde mitsamt Rollstuhl 3 Etagen Treppen rauf- und runtergetragen, wenn ich die Wohnung mal verlassen mußte.

Im Laufe der Monate lernte ich dann immer besser laufen und kann heute alleine die Treppe rauf und runter gehen.

 

Nachtrag:
Januar 2008

Wir haben im April 2007 ein Haus gekauft.

Alles auf einer Etage, nur noch Keller- und Speichertreppe...


April 2007

Mit der Hilfe von vielen Freunden und Arbeitskollegen haben wir dann das Haus renoviert und modernisiert.


Juli 2007


Februar 2008


Dezember 2008


Dezember 2008